Leserbrief zur MOZ-Ausgabe vom 07.10.2017 - Frust in den Kleingärten

Der Frust in den Kleingärten ist durchaus berechtigt, da nun doch der Kreisverband der Gartenfreunde Uckermark nun für seine Mitglieder den Beitrag erhöhen will bzw. wird mit der schlichten Begründung, dass immer mehr Kleingärten leerstehen würden. Im Artikel wird von einer Pacht von 60 bis 70 Euro pro Jahr ausgegangen, obwohl der Pachtzins derzeit bei ca. 0,04 bis 0,08 Euro je nach Kleingartenanlage liegt und sich diese bei einem Kleingarten mit der Größe von 300 m² auf ca. 13 Euro beläuft. Zur jährlichen Pachtzahlung für die Nutzung des Bodens kommen noch ca. 35 Euro Vereinsbeitrag und Beitrag von derzeit 16,00 Euro für den Kreisverband und sonstige Kosten hinzu.

Die Beitragserhöhung des Kreisverbandes von 16,00 Euro auf 20,00 Euro ist unangemessen, da sich die angespannte Lage des zunehmenden Leerstands von Kleingärten nur noch verschärft wird, da die Kosten immer mehr steigen und für viele Gartenfreunde im ländlichen Raum bald nicht mehr zu tragen sind.

Es wäre eher sinnvoll die Kosten von Beiträgen auf Vereins- und Kreisebene insgesamt abzusenken, da es immer mehr Menschen gibt, die eine kleine Rente haben oder Arbeitslosengeld II beziehen und sich immer weniger einen Kleingarten leisten können, da für die Bewirtschaftung einer Parzelle nicht nur der Pachtzins und Vereins- bzw. Verbandsbeiträge, sowie sonstige Kosten (Rechtsfonds usw.) anfallen, sondern auch die Werterhaltung des Kleingartens insgesamt nicht gerade wenig Geld kostet.

Es kann doch nicht sein, dass nur irgendwelche Kosten erhöht werden und die Leistungen des Kreisverbandes nimmt immer mehr ab. Der Kreisverband sollte mit seinem bisherigen Budget haushalten und wenn dann zuerst eigene Einsparungen bei Aufwandsentschädigungen und der Geschäftsstelle (z.B. Umwandlung der Stellenbezeichnung von Geschäftsführer*in in Geschäftsstellenleiter*in bei geringerer Vergütung) forcieren, bevor die Kleingärtner für Kostenerhöhungen jeglicher Art herangezogen zu werden.

Es fehlt aus Sicht des einfachen Vereinsmitgliedes häufig an Transparenz bei den laufenden Kosten und der Arbeit des Kreisverbandes, da nötige Entscheidungen auf Kreisebene nur über die Mitgliederversammlung des Kreisverbandes entschieden und nicht zuvor über Mitgliederversammlung des Vereins beschlossen werden, sondern nur der Vereinsvorsitzende als Delegierter kann dann willkürlich über Erhöhungen usw. entscheiden ohne vorher die Vereinsmitglieder mit einzubeziehen.

Weiterhin sollte der Kreisverband erst einmal ein Kleingartenentwicklungskonzept mit den Städten Schwedt, Templin, Angermünde und den Gemeinden im Geltungsbereich erarbeiten, um den derzeitigen Bestand an Kleingärten mit neuen Zahlen zu versehen, um dann die Sicherung der Kleingartenanlagen voranzubringen und um auch nötige zur Verfügungstellung von Ausgleichflächen für Kleingartenanlagen zu manifestieren.

Auch die Arbeit im Kleingartenbeirat der Stadt Schwedt/Oder sollte wiederaufgenommen werden, um sich über derzeitigen und anstehenden Probleme des regionalen Kleingartenwesens auszutauschen und entsprechende Lösungen zu erarbeiten.

Pilotprojekte sollten für Kleingartenanlagen im ländlichen Raum (z.B. Kleingartenparks u.a.) initiiert werden, um so die Kleingärten wieder attraktiver zu machen.

Ein Mahnkatalog ist kontraproduktiv und würde eher dazu führen, dass weitere Gartenfreunde ihre Parzelle abgegeben und sich die laufenden Kosten für die übrigen Parzelleninhaber stetig erhöhen, so dass immer mehr Menschen mit weniger Einkommen die Bewirtschaftung eines Kleingartens im Hinblick auf den Anbau mit Obst und Gemüse und der anschließenden Erholung verwehrt bleibt.
So eine Praxis könnte derzeit nur Ballungszentren (z.B. Berlin, Hamburg, Rostock etc.) durchgesetzt, wenn es für die Kleingärten eine Warteliste mit genügend Bewerbern gibt. So eine Situation ist gegenwärtig im ländlichen Raum nicht ersichtlich und würde eher nur weiteren Frust im Kleingarten und Abwanderung aus Kleingartenanlagen hervorrufen, wodurch die Kosten schon deshalb sich weiter erhöhen werden.

Auch eine künstliche Schrumpfung der Kleingartenanlagen von ca. 1500 Parzellen durch einen Rückbau auf die alleinigen Kosten der Gartenfreunde ist nicht tragbar, da die Stadt Schwedt/Oder, sowie die Stadt Angermünde und den kleineren Gemeinden das Problem mit dem zunehmenden Leerstand durch Abwanderung der Bevölkerung haben. In Templin gibt es immer mehr Interesse an Kleingärten.

Der Vergleich mit der besonderen Entwicklung und Nachfrage an Parzellen in Ballungszentren (hier: Berlin) und den uckermärkischen Kleingärten im ländlichen Raum kann auch nicht bestätigt werden, da es in beiden Fällen um eine unterschiedliche Stadtentwicklung und daraus resultierenden höheren Bedarf an Kleingartenanlagen handelt, der nur sich in geringen Teilen der Uckermark erkennen lässt. Es könnte zum einen an einer guten Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Presse, soziale Netzwerke) einzelner Vereine liegen oder ein den Zuzug in die ländlichen Regionen durch teurer werdenden und wenig verfügbaren Parzellen in Ballungszentren.

Zudem gab es bisher auch Gespräche mit dem Templiner Vereinsvorsitzenden Jens Harnisch „Am Egelpfuhl“ über die Integration von Migranten in die leerstehenden Kleingartenparzellen, die bisher nicht fruchteten, da Verbandsvorsitzender Wolfart und sein Vorgänger Zschernitz sich bis heute weigerten eine Regulierung herbeizuführen.
Harnisch informierte darüber, dass ein Pachtvertrag nur möglich sei, wenn die Migranten über einen Identitätsnachweis verfügen, ein festes Einkommen und einen ständigen Wohnsitz haben.
Daher hat man den Templiner Vereinsvorsitzenden Harnisch, der noch bis August 2016, Vorstandsmitglied im geschäftsführenden Vorstand des Kreisverbandes war, möglicherweise wegen Unbequemlichkeit und verbandsschädigendes Verhalten abgerufen, obwohl Wolfart im Nachhinein eingestanden hat, dass es kein verbandsschädigendes Verhalten gab.

Des Weiteren sollte der geschäftsführende Vorstand des Kreisverbandes nicht nur aus Schwedter Gartenfreunden bestehen, sondern auch aus Angermündern und Templiner, um eine nachhaltige und objektive Vorstandsarbeit für die Kleingärtner in der Uckermark zu gewährleisten.

Die Kommunen müssen sich mehr an den Kosten beteiligen, da die Kleingartenanlagen auch zu einer nachhaltigen und grünen Stadtentwicklung gehört und viele ökologische Vorteile hat.

Weiterhin sollten auch die bisherigen Regelungen in Hinblick auf das Bundeskleingartengesetz, der Rahmengartenordnung des Landesverbandes Brandenburg der Gartenfreunde und den Zusatzbestimmungen des Kreisverbandes und die Satzungen auf Vereins- und Verbandsebene überarbeitet und angepasst werden.
Jüngere Menschen sollten hierbei auf die zukünftige Entwicklung des Kleingartenwesens durch Vorschläge oder Vereins- bzw. Verbandsarbeit einwirken, da derzeit 60 bis 80jährige Gartenfreunde das uckermärkische Vereinsleben aufrechterhalten.

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